Im Unternehmertopf

Im Unternehmertopf

Gedanken zum Tag der Arbeitgeber

Es ist ein ziemlich heißer Topf, in dem ich heute sitze. Reingestopft von einem lieben Bekannten. Ich nenne ihn den Unternehmertopf (den Topf, nicht den Bekannten). Warum er so heiß ist (der Topf, nicht der Bekannte)? Weil ich mich hier als Ein-Frau-Unternehmen mit tausenden anderen Unternehmen wiederfinde. Zwischen Konzernen, mittelständischen Betrieben, zwischen Industrie und Handel, Gewerbe und Handwerk und so weiter und so fort. Da geht es ganz schön her. Und es brodelt von Zeit zu Zeit. Soll ja schließlich was G’schmackiges dabei rauskommen.

So. Hier bin ich also. In reichlich illustrer Gesellschaft. Seit 2008 (also seit dem schönsten Wirtschaftskrisenjahr) plantsche ich fröhlich vor mich hin. Und koche mein eigenes Süppchen.

Foto: brisigrafie

 

Für meinen Bekannten bedeutet das: Ich bin unabhängig. Ich habe immer viel Geld. Ich kann tun und lassen, was ich will. Ich habe alle Zeit der Welt. Ich muss mich um nichts kümmern. Alles fällt mir in den Schoß. Und dafür tun muss ich so gut wie gar nichts. Keine Arbeitszeiten von 8 bis 16 Uhr, keine Schichtarbeit, keine unzumutbaren Überstunden, keine Schikanen durch den Chef, keine Weißderkuckuckwas. Nur dann arbeiten, wann ich Lust darauf habe. Und kassieren, kassieren, kassieren.

Dass meine ganz persönliche Realität ein kleines bisschen anders aussieht, ist meinem Bekannten bekanntermaßen blunzn. Naja, er geht halt oft etwas sauertöpfisch durch die unselbständige Arbeitswelt. Sie schmeckt ihm nicht besonders. Dann macht er sich schon mal ein bisschen Luft und schimpft aufs Unternehmertum. Vielleicht sind die folgenden Zeilen ein kleiner Trost für ihn:

Mein Lieber, denk dir ...

 

… ich habe die beste Chefin der Welt – und auch die schlechteste

Es ist echt nicht einfach, die perfekte Chefin zu sein. Rein menschlich komme ich mit mir selbst bestens zurecht (zur Erinnerung: Ich bin ein Ein-Personen-Unternehmen). Aber wenn es ums Berufliche geht, will meine Chefin oft sehr eigenartige Dinge. Wenn Aufträge abzuarbeiten sind, gibt’s keinen Urlaub, dann schon lieber ein paar Überstunden. Da ist sie eisern. Dafür erwartet sie, dass ich auch in meiner wohlverdienten Freizeit arbeite – sogar beim Sport soll an Slogans getüftelt werden. Abschalten ist da nicht drin. Und wenn ich beim Schreiben nicht zügig vorankomme, soll ich Hausarbeit machen, um meiner „Kreativität wieder etwas auf die Sprünge zu helfen“. Einkaufen gehört genauso zur Stellenbeschreibung wie der Besuch von Sprechstunden in der Schule des Juniors. Alles muss unter einen Hut. Und das ist manchmal gar nicht so ohne.

… ich habe als One Woman Show doch einiges zu schultern

Das Wichtigste zuerst: Ich muss sehen, dass ich zu Aufträgen komme. Klar doch. Und dann muss ich sie auch noch abwickeln, meine Rechnungen schreiben, meine Buchhaltung machen, meine Abgaben leisten, meine IT auf dem Laufenden halten, die richtigen Partner und Lieferanten suchen, mein Marketing professionell betreiben … ich bin also für alles zuständig, was in meinem kleinen Unternehmen so gebraucht wird. Von A bis Z. Und das ist gut so.

… ich habe tatsächlich auch Ausgaben

Auch wenn ich mich selbst ganz gerne als Frau ohne Fixkosten (mein Wohnzimmer ist mein Büro) bezeichne, habe ich Ausgaben. Ich zahle in die Sozialversicherung ein (habe beim Arztbesuch trotzdem immer 20 % Selbstbehalt), zahle Steuern und Abgaben wie jeder andere auch (gelegentlich auch ein paar mehr, wie die Tourismusabgabe), zahle meinen Steuerberater (den brauch ich für den Jahresabschluss), zahle meine Betriebshaftpflichtversicherung, zahle, zahle, zahle … und freue mich, wenn ich am Ende des Monats trotzdem schwarze Zahlen schreibe.

… ich trage das volle Risiko für alles, was ich tue

Liege ich einmal auf der faulen Haut, ist das an und für sich kein gutes Zeichen. Das heißt nämlich in der Regel, dass die Aufträge ausbleiben. Und wenn es keine Aufträge gibt, gibt’s auch keine Kohle. Bin ich mal krank und kann nicht arbeiten, gibt’s auch keine Kohle. Bezahlten Krankenstand gibt’s keinen. Und es gibt auch niemanden, der für mich übernimmt, wenn ich ausfalle. Deshalb kann es schon mal passieren, dass ich im Fieberwahn mein Notebook würge, damit die Projekte fertig werden. Wenn ein Kunde zahlungsunfähig wird, gibt’s – wir ahnen es bereits – (zumindest vorerst) auch keine Kohle. Das ist liquiditätstechnisch auch nicht immer ein Zuckerschlecken. Und so weiter und so fort. Selbständige sind übrigens nicht automatisch arbeitslosenversichert. Geht das Geschäft den Bach runter, ist Schluss mit lustig. Bau ich Scheiße, muss ich dafür geradestehen. That’s life.

… ich habe wirklich jede Menge Zeit … oder so

Richtig ist, dass ich mir für die Dinge Zeit nehme, die mir wichtig sind. Ob für die Familie, für die Literatur, für den Sport oder für sonst was. Das ist ein Luxus, den ich mir gönne. Ein Luxus mit zwei Seiten. Die Arbeit erledigt sich zwischenzeitlich ja nicht von selbst. Wenn ich also untertags mit meinem Sohnemann unterwegs bin, dann gibt es eben Abend-, Nacht- und Wochenendschichten. So einfach ist das.

Ich meine, die große Kunst in der Selbständigkeit ist es, sich alles so einzuteilen, dass man glücklich leben kann. Es gelingt mir ganz gut. Und es ist dieses kleine, selbstgeschaffene Lebensglück, das ich nicht mehr missen möchte.

Allen, die, wie mein lieber Bekannter, in ihrem Arbeitnehmertopf so furchtbar unzufrieden sind, möchte ich an dieser Stelle sagen: Nichts ist unmöglich. Informiert euch, seht es euch an – und wenn ihr das Unternehmertum mit all seinen Ecken und Kanten dann noch immer so sexy findet, lasst euch nicht daran hindern, euch selbständig zu machen. Im Unternehmertopf ist noch reichlich Platz.